Der sicherste Ort in der gesamten Region dürfte am Abend des 09.01.2026 die Raiffeisen-Arena in Waldkraiburg gewesen sein. Dorthin folgten zur Eishockey-Bayernliga-Partie des EHC Waldkraiburg gegen die EA Schongau über 300 Einsatzkräfte der verschiedensten Organisationen der Einladung des Vereins, sich das Spiel kostenlos anzusehen. Arbeiten mussten die Kräfte an diesem Abend allerdings nicht: Weder verletzte sich jemand, der Erste Hilfe benötigt hätte, noch war – für die Vertreter der Löschtruppen – viel Feuer in der Partie.
Jürgen Lederer, Trainer der Waldkraiburger Löwen, sagte es nach der Partie sehr schonungslos: „Schongau war in den ersten 30 Minuten die bessere Mannschaft.“ Einzig Tobias Sickinger im Tor der Löwen ist es zu verdanken, dass das Ergebnis am Ende doch positiv für den EHC Waldkraiburg ausfiel. Schongau kam mit den zwingenderen Chancen immer wieder vor den Kasten der Löwen, und die Verteidigung des EHC Waldkraiburg, die in den letzten Spielen zu einer echten Bayernliga-Form gefunden hatte, fiel in alte Muster zurück und wirktestreckenweise lethargisch und langsam. Viel zu oft fand sich ein weißes Trikot alleingelassen vor dem Tor der Löwen, während die Defensive an anderer Stelle verharrte.
Dennoch waren es die Industriestädter, die sich erstmals an diesem Abend auf der Anzeigetafel verewigen durften. Nach gewonnenem Bully stand Max Cejka an der blauen Linie und brachte die Scheibe vor das Gehäuse von Daniel Blankenburg. Doch statt den Torhüter traf der Puck den linken Innenpfosten und sprang von dort ins Tor. Auch Schongau wusste an diesem Abend jedoch, wie man unübliche Tore erzielt. So schlenzte Freidenfelds nur rund zwei Minuten später den Puck in Richtung Tobias Sickinger. Dieser war zwar noch dran, kreierte mit seinem Fanghandschuh jedoch eine Bogenlampe, die letztlich über seine Schulter hinweg ins Tor zum Pausenstand fiel.
Wer im zweiten Durchgang auf eine spürbare Besserung des Spiels hoffte, wurde vorerst enttäuscht. Zwar griffen die Löwen – wie auch im ersten Drittel – immer wieder an, präsentierten sich defensiv jedoch weiterhin sehr offen. Dennoch gehörte auch im zweiten Durchgang das erste Wort den Gastgebern. Während einer Schongauer Strafe schoss Jakub Šrámek auf das Tor der Gäste. Dieser Versuch wurde zwar im ersten Moment noch geblockt, doch zum Nachschuss stand Nico Vogl bereit und brachte seine Farben erneut in Front.
Eine ähnliche Situation erlebten die „Mammuts“ nach rund sechseinhalb Minuten auf der anderen Seite. Ebenfalls in Überzahl brachten sie einen Schuss auf den Kasten von Tobias Sickinger. Dieser blockte den Versuch, doch Dennis Gulda, der sich zwischen den Verteidigern vor das Tor geschlichen hatte, vollendete per Rückhand zum erneuten Ausgleich. Etwas mehr als eine Minute später kam es für die Hausherren noch dicker. Nach einem Scheibenverlust von Zimmermann hinter dem eigenen Tor hatte Schongaus Kurt Sonne gleich zwei Mitspieler vor dem Tor für das Anspiel frei. Er entschied sich für Krabbat, der gekonnt zum 2:3 für die Gäste erhöhte.
Dieser Rückstand wirkte. Die Löwen schienen ihre Konzentration und Spielstärke langsam wiederzufinden und agierten vorne wie hinten deutlich konstanter. Nachdem man durch Šrámek und Dillmann zwei „Hundertprozentige“ liegen ließ, erlöste schließlich Šrámek das Publikum mit dem 3:3-Ausgleich. Mit seiner atemberaubenden Geschwindigkeit schnappte ersich einen eigentlich schon verloren geglaubten Puck, fuhr alleine auf das Tor zu und versenkte die Scheibe in Šrámek-Manier rechts unten.
Ein Tor sollte dieses Drittel noch sehen – und es war erneut ein Löwen-Treffer. In eigener Unterzahl fuhr das Duo Šrámek/Vogl auf das gegnerische Tor zu. Šrámek sah seinen Kapitän auf der linken Seite, spielte ihm den Puck zu und Vogl vollendete ansehnlich zum 4:3-Pausenstand.
Im finalen Durchgang hatten die Hausherren das Spiel dann sichtlich im Griff. Zwar kamen die Mammuts noch zur ein oder anderen Gelegenheit, doch die zwingenden Chancen aus dem ersten Durchgang blieben weitgehend aus. In der 49. Minute machte Nico Vogl – erneut in Überzahl der Löwen – endgültig den Deckel auf die Partie und zugleich seinen Hattrick perfekt. An der blauen Linie wartete Martin Kokeš geduldig, bis Vogl sich in Stellung gebracht hatte. Ein präziser Pass auf dessen Schläger später landete der Puck auch schon im Tor zum 5:3.
Schongau versuchte noch einmal alles und witterte die Chance, als zwei Minuten vor dem Ende Jakub Šrámek auf die Strafbank musste. Sie zogen ihren Torhüter, um mit sechs gegen vier Feldspieler vielleicht doch noch das Wunder zu vollbringen. Doch als Leon Decker aus dem Gewühl heraus den Pass an die Mittellinie erhielt, konnte dieser – begleitet von einem Schongauer Verteidiger – in Richtung Tor skaten und den Puck im verwaisten Gehäuse zum 6:3-Endstand unterbringen.
Zwar gewannen die Löwen nach diesem Freitags-Spieltag keinen Platz in der Tabelle, rückten jedoch näher an die oberen Ränge heran. So trennten den EHC Waldkraiburg, der auf dem siebten Platz rangierte, lediglich vier Zähler vom dritten Platz, auf dem der ESC Kempten verweilte.
Fotos: Yasmin Neumann
Bericht: Alex Ahrends