Die Welt begrüßte vor wenigen Tagen ein neues Jahr, und in der Eishockey-Bayernliga begrüßte der ERSC Amberg am 02. Januar die Löwen aus Waldkraiburg. Knapp zweieinhalb Stunden sollte die Fahrt ins rund 180 Kilometer entfernte Amberg dauern, und die jeweiligen Fahrer*innen brachten sowohl Mannschaft als auch Fans sicher ins Amberger Stadion. Dort sahen etwas mehr als 600 Zuschauer einen EHC Waldkraiburg, dessen Verletzungssorgen über die Neujahrsfeiertage nicht weniger, sondern sogar noch größer geworden waren. Zählt man die Landshuter Förderlizenzspieler mit, so fehlten den Löwen ganze 13 Akteure. Neu hinzugekommen waren Torhüter Max Englbrecht sowie die Angreifer Decker, Maierhofer und Dillmann. Mit Daniel Schmidt half zudem bereits der 34. Spieler in dieser Saison im Löwen-Kader aus, während aus Landshut Unterstützung in Form von Daniel Henter im Tor sowie Anton Brunner für die Verteidigung kam.
Mit ordentlich Schwung startete der EHC Waldkraiburg in die Partie in Amberg. Gleich mit dem ersten sauber vorgetragenen Angriff zeigten die Löwen, in welche Richtung es an diesem Abend gehen sollte. Die mitgereisten Fans mussten lediglich eine Minute warten, bis sie erstmals jubeln durften. Max Cejka war es, der den langen Pass aus dem eigenen Drittel heraus auf Nico Vogl spielte. Dieser legte uneigennützig für den heraneilenden Jakub Šrámek ab, der noch einige Schritte machte, ehe er den Puck durch die Lücke zwischen Verteidiger und Torhüter direkt in den linken Winkel drosch. Mit hohem Tempo führte der EHC Waldkraiburg die Partie weiter an. Zwar ergaben sich auch für Amberg Möglichkeiten, doch mit einer konzentrierten Defensivleistung und einem weiterhin überragenden Daniel Henter im Tor war für die Gastgeber vorerst nichts zu holen.
Nach rund sechs Minuten Spielzeit befanden sich die Löwen erstmals in Überzahl. Diese nutzte Santeri Ovaska, um einen zunächst abgefangenen Puck im zweiten Versuch mit dem Schläger über die Linie zu bringen. Auch der nächste Treffer in der 12. Spielminute ging auf das Konto des Deutsch-Finnen. Wieder auf der linken Seite lauernd, erhielt Ovaska den Pass von Andris Džeriņš. Geduldig wartete er, bis der Amberger Schlussmann am Boden lag, ehe er das Spielgerät über ihn hinweg ins Tor lupfte. Doch ohne eigenen Treffer wollten die Gastgeber nicht in die erste Pause gehen. Ebenfalls in Unterzahl brach zunächst der Schläger von Kapitän Nico Vogl, der umgehend zur Bank musste, um sich neues Arbeitsgerät zu holen. Diese kurze doppelte Überzahl nutzten die Amberger, um durch Klughardt den Treffer zum 1:3-Pausenstand zu erzielen.
Nachdem die Gastgeber bereits im ersten Drittel ihre Auszeit genommen hatten und von Trainer Christian Zessack in der Kabine sicherlich noch das ein oder andere Wort mit auf den Weg bekamen, traten sie im Mittelabschnitt deutlich entschlossener auf. Die erste große Möglichkeit gehörte jedoch zunächst den Löwen. Nach knapp drei Minuten machte sich Andris Džeriņš, von einem Mitspieler bestens in Szene gesetzt, allein auf den Weg Richtung Amberger Tor. Sein Versuch, den Torhüter zwischen den Beinen zu verladen, misslang jedoch. Nach rund neun
gespielten Minuten belohnte sich Amberg schließlich für das konzentriertere Auftreten im zweiten Drittel. Erneut in Überzahl war es Baranovskis, der den Puck so passgenau ins kurze Eck setzte, dass Henter hier keine Abwehrchance hatte. Doch auch diesmal wollten die Löwen den Spielstand so nicht mit in die Pause nehmen. Rund zwei Minuten vor Drittelende sah Nico Vogl auf der einen Seite des Feldes seinen freistehenden Kollegen Šrámek auf der gegenüberliegenden Seite. Ein Pass und ein Onetimer später versenkte Waldkraiburgs Nummer 13 den Puck zu seinem zweiten Treffer des Abends.
Im dritten Durchgang der Partie passierte lange Zeit nichts Zählbares. Wie Trainer Jürgen Lederer später auf der Pressekonferenz betonte, war dies jenes Drittel, in dem man vor allem konzentriert verteidigen und mit dem stark ausgedünnten Kader auch Kräfte sparen wollte. Amberg hingegen musste zwei Tore aufholen, setzte vieles in Bewegung, fand jedoch lange kein Mittel gegen die Waldkraiburger Defensive. Drei Minuten vor dem Ende witterten die Gastgeber dann doch noch einmal Morgenluft. Nolan Gardiner erzielte den Treffer zum 3:4 und ließ die Hoffnung bei den Ambergern noch einmal aufleben. Postwendend wurde der Torhüter zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis genommen. Zweimal vergaben die Löwen in der Folge die Chance auf die Entscheidung. Als Waldkraiburg kurz vor Schluss zudem noch eine Strafe hinnehmen musste, standen die Zeichen mit sechs gegen vier Feldspielern zunächst gut für die Gastgeber. Doch Nico Vogl hatte andere Pläne. Einem erneut verunglückten Schuss auf das leere Tor sprintete er aufopferungsvoll hinterher, nahm das Spielgerät kurz hinter der Torlinie auf und erlöste Mannschaft und Fans mit dem Treffer zum 3:5-Endstand und war somit auch an jedem Löwen-Tor des Abends beteiligt.Fotos: Yasmin Neumann
Bericht: Alex Ahrends