Das zweite Spiel des Play-Down-Halbfinals steht für die Löwen in den Geschichtsbüchern. Vor dem Spiel gab es – wie schon vor der Freitagsbegegnung – erneut eine positive Nachricht: Andris Džeriņš, der Lette in Diensten der Löwen, meldete sich nach seiner langen Verletzung zurück. Damit konnte der EHC Waldkraiburg nach langer Durststrecke nahezu wieder mit jenem Kader antreten, der zu Saisonbeginn zur Verfügung stand. Dennoch betrat Burgau mit dem Selbstvertrauen des Freitags-Sieges das eigene Eis und ließ dies von Beginn an erkennen.

Für die Löwen begann die Partie erneut erfreulich. Hatte man am Freitag bereits nach 14 Sekunden jubeln dürfen, dauerte es am Sonntag immerhin 2 Minuten und 22 Sekunden, bis der EHC Waldkraiburg in Torjubel ausbrach. Als Torschütze zeichnete sich Anthony Dillmann aus, der zuletzt selbst durch eine längere Formdelle gegangen war. Dieser frühe Treffer hätte eigentlich Sicherheit geben sollen, doch im weiteren Verlauf übernahmen zunächst die Gastgeber die Initiative, während Waldkraiburg wieder in ein mittlerweile bekanntes Muster verfiel. Es dauerte daher nicht lange, bis Burgau ausgleichen konnte: David Ballner traf nach einem Abpraller im Getümmel vor dem Löwen-Tor auf die verwaiste Seite des Gehäuses.

Auch nach dem Ausgleich blieb das Spiel überwiegend in der Hand der Burgauer. Die Löwen wirkten phasenweise verunsichert, brachten den Gegner mit unnötigen Scheibenverlusten immer wieder in gute Abschlusspositionen und mussten sich mehrfach bei Max Englbrecht bedanken, der sein Team im Spiel hielt. Kurz vor dem Ende des ersten Drittels – und noch vor der ersten Pausenwurst mit Tsatsiki für die Fans – wurde es im Waldkraiburger Block dennoch laut: Nach langer Zeit funktionierte wieder einmal die Kombination des Duos Šrámek und Vogl, von Fans inzwischen augenzwinkernd „Nikub“ genannt – eine Mischung aus Nico und Jakub. Auf Zuspiel des Kapitäns vollendete Šrámek zum 1:2-Pausenstand.

Ab dem zweiten Drittel entwickelte sich die Partie deutlich ausgeglichener. Dennoch fiel es den Löwen schwer, die Flüchtigkeitsfehler abzustellen, die Burgau immer wieder in aussichtsreiche Positionen brachten. Ab der 27. Minute benötigten die Eisbären lediglich zweieinhalb Minuten, um das Spiel zu drehen. Zweimal war es Paakkola, der erst zum 2:2 ausglich und wenig später eine Burgauer Überzahl zur 3:2-Führung nutzte. Als es bereits danach aussah, als würde dieses Ergebnis mit in die Kabine genommen werden, standen die Löwen selbst in Überzahl auf dem Eis. Diese Gelegenheit nutzte Andris Džeriņš, der mit einem Nachschuss von der rechten Seite seine Rückkehr perfekt machte und zum 3:3 traf.

Optisch verlief der dritte Durchgang ähnlich wie der zweite: Beide Teams begegneten sich auf Augenhöhe und schenkten sich nichts. Dennoch war den Löwen die Nervosität und Unsicherheit der vergangenen Wochen anzumerken, dazu kamen erste Anzeichen nachlassender Kräfte. Nach knapp fünf Minuten im Schlussabschnitt erlebten die über 800 Zuschauer im Stadion die wohl aufregendsten zwei Minuten des Abends. Zunächst brachte Ballner Burgau erneut in Führung, wiederum nach einem Abpraller, den er nur noch in die rechte Torseite einschieben musste. Doch die Antwort der Löwen ließ nicht lange auf sich warten: Florian Maierhofer verwandelte seinerseits einen Nachschuss und stellte den Ausgleich wieder her.

Die Freude währte jedoch nur kurz. Rund eineinhalb Minuten später ging Burgau erneut in Führung. Bartuli wurde von der Löwen-Defensive nicht energisch genug angegangen und durfte einen harmlos wirkenden Schlenzer aufs Tor bringen. Der einzige wirkliche Fehler von Max Englbrecht an diesem Abend führte dazu, dass der Puck durch die geschlossenen Schoner zum 5:4 ins Netz rutschte. In der Folge drückten die Löwen mit aller Macht auf den Ausgleich. Chancen waren vorhanden, doch ein weiterer Treffer wollte nicht mehr fallen. Wie schon am Freitag nahm Trainer Jürgen Lederer kurz vor Schluss den Torhüter zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Die Möglichkeiten waren da, doch letztlich nutzten die Eisbären das leere Tor zum 6:4 und machten damit endgültig den Deckel auf die Partie.

Foto: Yasmin Neumann
Bericht: Alex Ahrends